Confoederatio

February 6, 2010

Bankgeheimnis ade!

“Die Lebenskraft eines Zeitalters liegt nicht in seiner Ernte sondern seiner Aussaat”. Als Ludwig Börne dies sagte, war die Welt möglicherweise noch in Ordnung.

Sie ist es längstens nicht mehr. Deshalb ist anderer Sinnspruch angebrachter: “Wer Wind sät, wird Sturm ernten”. Das trifft auch auf die Diskussion um das in letzter Agonie liegende, einst legendäre schweizerische Bankgeheimnis zu. Den Salonlinken und Gutmenschen der SP war es immer ein Dorn im Auge, für die bürgerliche Mitte ein Garant hochstehender Arbeitsplätze und sicherer Steuereinnahmen, für die SVP schliesslich ist es einer der unantastbaren Neumythen der Schweiz.

Man kann die Meinung vertreten, die man will. Ueber etwas sollte man sich im Klaren sein: Die gegenwärtigen Angriffe gegen die Schweiz sind koordiniert und stellen nichts anderes als einen unerklärten Krieg gegen unser erfolgreiches Land dar.

Höchste Zeit, dass wir das endlich merken, auch wenn kein einziges Kampfflugzeug aufsteigen wird.  Es sieht auch nicht danach aus, als würden Regierung und Behörden lagegerecht handeln und die erforderlichen Gegenmassnahmen ergreifen.

Interessanterweise wird ein Punkt so gut wie nie angesprochen. Die Banken tun sich schwer damit, dass zu Diskretion verpflichtete Mitarbeiter mit den ihnen anvertrauten geheimen Daten hausiereren gehen. Dabei haben sie sich dies selber zuzuschreiben.

Bis in die 80-er Jahre, also bis zum Mentalitätswandel hin zum am kurzfristigen Geldgewinn orientierten Neoliberalismus, verfolgten gerade die Schweizer Bankinstitute eine am langfristigen Ertrag orientierte Politik. Dazu gehörten natürlich gute Löhne und Sozialleistungen, wie es damals hiess. Vor allem aber stützten sie sich auf die Loyalität und den Stolz des Personals für ihre Bank ab.

Durch die gezielte Uebernahme der amerikanischen Unsitten des Ellbögelns, des Egoismus und der Raffgier haben sie ihr stärkstes Kapital, nämlich die Loyalität der Mitarbeiter, verspielt. Heute wechselt ein Banker sofort die Stelle, wenn ihm anderswo ein höherer Lohn und ein grösserer Bonus geboten wird. Der Einfachheit halber nimmt ein Chef oder Gruppenleiter gleich sein Team mit. Dieser Aderlass lässt sich nur durch immer überrissenere Saläre kompensieren.

Ueberhaupt ist die Vernichtung der traditionellen Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber und das “Wir-Gefühl” eine der giftigsten Altlasten des Neoliberalismus. Trotz ihrer verbalen Verurteilung haben auch zahlreiche Cüplisozialisten wie Bundesrat Moritz Leuenberger dieses Verhaltensmuster übernommen. Der neuliche Postskandal ist nur ein Beispiel.

Erstaunt es da noch, dass auch untere Chargen wie Informatiker, die bei den Boni mehr oder weniger leer ausgehen, den Traum vom schnellen Geld träumen?

Die Datenklaus kommen deshalb nicht aus heiterem Himmel. Sie sind vielmehr eine Spätfolge der Selbstzerstörung der Betriebskultur durch Egoismus und Rücksichtslosigkeit. Bereits vor Jahren wurde von den negativen Auswirkungen dieses Mentalitätswandels gewarnt – ohne Erfolg. Nun erfahren es die Banken am eigenen Leib: “Wer Wind sät, wird Sturm ernten.”

Die Schweiz und ihre Arbeitsplätze werden dabei auf der Strecke bleiben. Die gut bezahlten Banker stört dies nicht, denn sie ziehen einfach weiter. Nicht wahr?

Daniel Stanislaus Martel

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